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Schilfernte Fertige Dachreetbunde

Schon gehört? Das hat es hier noch nicht gegeben: Auf der Grundlage von Erfahrungen mit der Schilfernte an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern und bei einem Reetanbau-Projekt im Stapelholm/Schleswig-Holstein, startete im Januar 2006 das Pilotprojekt „Oberschwabenreet“.

Meines Wissens ist dies der erste Versuch in Oberschwaben mit heimischem Reet Dächer zu decken. Hierzulande hat vor allem die Strohdachdeckung mit langem Roggenstroh Tradition, die aber in den Freilichtmuseen heute auch durch Reetdachdeckung mit Importreet ersetzt wird, weil Reet auf dem Dach haltbarer als Stroh ist und als aufbereiteter Baustoff im Vergleich zu Stroh besser zur Verfügung steht.

Während in Nord- und Ostdeutschland für die Reetdachdeckung heute neben deutschem Reet überwiegend Importreet aus Rumänien, Ungarn, Türkei, Holland, Polen, Lettland … verwendet wird, war mein Ziel für die (Wieder-) Belebung der Reetdachdeckung in Süddeutschland möglichst auch heimisches Reet zur Verfügung zu haben. Erstens weil dieses Schilf optimal an die Wetterbedingungen unserer Region angepasst ist und deshalb auf dem Dach lange halten müsste, zweitens um diesen ökologisch wertvollen Baustoff auch ökologisch sinnvoll zu produzieren.

Gemeinsam mit einer Vertreterin der Unteren Naturschutzbehörde fand eine ausführliche Begehung und Qualitätsprüfung einiger oberschwäbischer Schilfvorkommen in Riedgebieten, Seen und Niedermooren statt. Dabei stellte sich ganz im Wasser stehendes Schilf aufgrund seiner Härte als für Dachreet am brauchbarsten heraus. Für die Ernte mit dem Balkenmäher auf einer stabilen Eisfläche mussten dann aber lange Frostperioden im Januar abgewartet werden.

 
Schilfernte

  • Regelmäßiges Mähen von Schilf ist natürlich im Sinne des Natur- und Vogelschutzes mit entsprechender Rücksicht auf die Brut- und Rückzugsstätten dieser Tiere zu betreiben. Gleichzeitig müssen aber Schilfflächen aus Naturschutzgründen als Pflegemaßnahme immer wieder gemäht werden, damit sie nicht überwuchern. Unter Beachtung dieser Rahmenbedingungen handelt es sich beim Projekt Oberschwabenreet nur um kleine, überschaubare Schilfflächen von einigen Ar Größe, hier als Stoppelfeld zu sehen:
Schilfernte Stoppelfeld
  • Das Schilf muss bei der Ernte möglichst trocken sein, damit es später nicht schimmelt. Bei herrlichstem Wintersonnenschein und frostigen Temperaturen können die Mäharbeiten mit dem Balkenmäher auf der Eisfläche beginnen:
Schilfernte Mäher
  • Das geschnittene Schilf wird grob von andersartigen Gewächsen gereinigt und in Erntebunde zusammengedrahtet, welche dann sofort verladen und an einem trocknen Ort bis zur weiteren Aufbereitung gelagert werden:
Erntebund Aufstuken des Erntebunds Erntebundhaufen vor Verladung

 

Aufbereitung zum Dachreet

  • Für die Verwendung als Dachreet ist eigentlich nur einjährig gewachsenes Schilf brauchbar, weil die mehrjährigen Bestände zu verwachsen sind. Um aber im nächsten Jahr einjähriges Schilf ernten zu können, musste erst einmal der Anfang mit dem Mähen einer mehrjährigen Fläche gemacht werden. In einer einmaligen, mühsamen Sortierung wurde trotzdem versucht aus den mehrjährigen Erntebunden das brauchbare Reet herauszulesen, damit schon in diesem Jahr Oberschwabenreet in einer kleinen Menge probeweise aufs Dach gebunden werden kann:
Reetsortierung
  • Auch einjähriges Reet muss nach der Ernte noch durch Säuberung und normierte Bündelung aufbereitet werden. Die Techniken für diese Säuberung von Hand sind Schütteln und Kämmen:
Reetsaeuberung
  • Durch Bündelung mit Draht in vorgefertigten Bundschablonen wird der normierte Bundumfang für das Dachreet erzielt:
Normierung des Bundumfangs erste Bindung
  • Um alle Halmenden des Reetbundes in eine gleichmäßige Fläche zu bekommen, wird der Bund auf den Boden aufgestukt und anschließend am Bundende ein zweites Mal mit Draht gebunden. Im Hintergrund sind fertige Dachreetbunde zu sehen. Jetzt kann das Dachdecken losgehen:
Aufstuken und zweite Bindung





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